Hinter dem Wort Effizienzsteigerung im Gesundheitsbereich verbirgt sich oft ein simples Rationalisierungsprogramm zur Erhöhung des Produktionsoutputs. Angestellte ÄrztInnen werden zunehmend dazu missbraucht, den Kostendruck im Gesundheitswesen an die PatientInnen weiterzugeben.
Bedürfnisse der PatientInnen nach Zuwendung und Zeit werden dabei ebenso vernachlässigt, wie die Bedürfnisse der ÄrztInnen nach stressfreiem Arbeiten und entsprechenden Möglichkeiten der Erholung. Kranke PatientInnen in schwierige Versorgungslagen zu entlassen, schafft permanent unangenehme und ethisch fragwürdige Situationen. Zumeist wird am falschen Platz gespart und den angestellten ÄrztInnen noch weitere bürokratische Aufgaben zugeteilt. Wir fordern daher, Wissen und Erfahrung der KollegInnen in die Optimierung der Abläufe und der Ressourcenvergabe einzubringen, und dem Primat der Ökonomie entschieden entgegenzutreten.
Angestellte ÄrztInnen sind heute aufgrund flexibler Karriereverläufe gerade in der Großstadt vielfältigst tätig. Das herkömmliche Leitbild vom Einzelkämpfer in der Ordination oder von Krankenhausarzt/ärztin stimmt nicht mehr. Neue ambulante Versorgungsmodelle im psychosozialen Bereich und Anstellungen bei Ärztinnen in veränderten Organisationsformen sind entstanden und auch AmtsärztInnen, BetriebsärztInnen, KontrollärztInnen, VersicherungsärztInnen, PolizeiärztInnen, NotärztInnen, partes pro toto, verdienen eine effizientere Vertretung als bisher.
Der derzeitige Umgang mit Nebenbeschäftigungen ist weder transparent noch jüngeren Ärztinnen und Ärzten gegenüber fair. Eine Neuregelung muss die Grundsätze einer solidarischen Verteilung der Arbeitsmöglichkeiten zwischen den KollegInnen und der Ausgewogenheit zwischen öffentlicher und privater Tätigkeit berücksichtigen. Wir treten dafür ein, nur eine, gemeldete, Nebenbeschäftigung zuzulassen, bei Vollzeitbeschäftigung in einer öffentlichen Anstalt eine Kassenpraxis auszuschließen und flexible spezielle Regelungen für KollegInnen mit Teilzeitbeschäftigungen zu forcieren. Wir wollen eine Ausarbeitung von klaren Unvereinbarkeitsregeln, die hohen ethischen Ansprüchen entsprechen.
Ohne Industrie gäbe es weniger Fortbildung, dennoch muss die Ärztekammer für möglichst viel Transparenz in diesem Bereich sorgen und einer Vermischung von ärztlichen und Industrieinteressen deutlicher entgegentreten.
Dr. Barbara Kaiser
Kanditatin Sektion Angestellte ÄrztInnen
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