Dr. Barbara KaiserWir behandeln PatientInnenen nicht Kostenfaktoren!
Hinter dem Wort Effizienzsteigerung im Gesundheitsbereich verbirgt
sich oft ein simples Rationalisierungsprogramm zur Erhöhung
des Produktionsoutputs. Angestellte ÄrztInnen werden zunehmend
dazu missbraucht, den Kostendruck im
Gesundheitswesen an die PatientInnen weiterzugeben. Bedürfnisse
der PatientInnen nach Zuwendung und Zeit werden dabei ebenso vernachlässigt,
wie die Bedürfnisse der ÄrztInnen nach stressfreiem Arbeiten
und entsprechenden Möglichkeiten der Erholung. Kranke PatientInnen
in schwierige Versorgungslagen zu entlassen, schafft permanent unangenehme
und ethisch fragwürdige Situationen. Zumeist wird am falschen
Platz gespart und den angestellten ÄrztInnen noch weitere bürokratische
Aufgaben zugeteilt. Wir fordern daher, Wissen und Erfahrung der
KollegInnen in die Optimierung der Abläufe und der Ressourcenvergabe
einzubringen, und dem Primat der Ökonomie entschieden entgegenzutreten.
Neue Arbeitsformen effektiver vertreten
Angestellte ÄrztInnen sind heute aufgrund flexibler Karriereverläufe
gerade in der Großstadt vielfältigst tätig. Das
herkömmliche Leitbild vom Einzelkämpfer in der Ordination
oder von Krankenhausarzt/ärztin stimmt nicht mehr. Neue ambulante
Versorgungsmodelle im psychosozialen Bereich und Anstellungen bei
Ärztinnen in veränderten Organisationsformen sind entstanden
und auch AmtsärztInnen, BetriebsärztInnen, KontrollärztInnen,
VersicherungsärztInnen, PolizeiärztInnen, NotärztInnen,
partes pro toto, verdienen eine effizientere Vertretung als bisher.
Eine faire Regelung der Nebenbeschäftigungen
Der derzeitige Umgang mit Nebenbeschäftigungen ist weder transparent
noch jüngeren Ärztinnen und Ärzten gegenüber
fair. Eine Neuregelung muss die Grundsätze einer solidarischen
Verteilung der Arbeitsmöglichkeiten zwischen den KollegInnen
und der Ausgewogenheit zwischen öffentlicher und privater Tätigkeit
berücksichtigen. Wir treten dafür ein, nur eine, gemeldete,
Nebenbeschäftigung zuzulassen, bei Vollzeitbeschäftigung
in einer öffentlichen Anstalt eine Kassenpraxis auszuschließen
und flexible spezielle Regelungen für KollegInnen mit Teilzeitbeschäftigungen
zu forcieren. Wir wollen eine Ausarbeitung von klaren Unvereinbarkeitsregeln,
die hohen ethischen Ansprüchen entsprechen.
Industrieunabhängige Fortbildungbudgets
Ohne Industrie gäbe es weniger Fortbildung, dennoch muss die
Ärztekammer für möglichst viel Transparenz in diesem
Bereich sorgen und einer Vermischung von ärztlichen und Industrieinteressen
deutlicher entgegentreten.
Dr. Barbara Kaiser
Kanditatin Sektion Angestellte ÄrztInnen
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