Wir Ärzte und Ärztinnen sind geradezu dazu berufen immer etwas zu befürchten, nämlich das Schlimmste!
Nach diesem Motto hat die Führung der Ärztekammer, kaum dass sich eine leichte Verkühlung des Geldsackes angekündigt hat, gleich nach der stärksten aller verfügbaren politischen Medizinen gerufen – nämlich einem Streik.
Ein bisschen von der eigenen Courage überrascht, hat sie ihn zwar kurzfristig wieder abgesagt, einen Tag später ist der Fuß von der Bremse aber wieder auf das Gaspedal gerutscht und so fährt die Kammer jetzt im Schlingerkurs auf den 8 November zu und keiner weiß so recht, wohin die Reise gehen soll. Je länger man mit KollegInnen über die komplexe Thematik redet, desto länger wird die Liste der offenen Fragen, und desto absurder die Antwort "Streik".
Da wurde viele Jahre für neue Organisationsformen gestritten, jetzt sollen sie kommen, reflexartig werden sie von der Kammer einmal als DDR- Relikt, ein andermal als kapitalistische Heuschreckenplage beschimpft.
Da weigert sich die Kammer beharrlich, gesundheitspolitische Verantwortung zu übernehmen, etwa konstruktive Beiträge zu mehr regionaler Versorgungsgerechtigkeit zu präsentieren, wollen aber die gewählten Volksvertreter legistisch dafür sorgen, wird so getan, als sei die Freiberuflichkeit oberstes Qualitätsmerkmal ärztlichen Handelns.
Angewidert von der jahrzehntelangen Phrasendrescherei von Gesundheits- und Kammerpolitik wollen wir unter menschenwürdigen Rahmenbedingungen unserer Arbeit nachgehen und stehen als Spielball macht- und mediengeiler Ministerinnen und Präsidenten nicht zur Verfügung. Es stehen auch unsere Verträge mit den Kassen und damit das finanzielle und organisatorische Rückgrat unserer Existenz nicht zur persönlichen Verfügung von Kammerfunktionären, die sich mit Ankündigungen in der Öffentlichkeit wichtig machen wollen, wohl wissend, dass ihr Konto mit Kammerdiäten jeden Monat wohlgefüllt wird.Wir wollen eine differenzierte, dringend überfällige Diskussion über die Weiterentwicklung einer solidarischen Gesundheitsversorgung, im eigenen und im Interesse unserer Patienten.
Wir wollen, dass in dieser Diskussion unser ärztliches Wissen und unsere Erfahrung entsprechend berücksichtigt werden. Wir wollen diese Diskussion in einem partnerschaftlichen Geist führen, und niemandem drohen, schon gar nicht unseren Patienten, sie aus taktischen Gründen vor verschlossenen Türen stehen zu lassen!
Versorgungsstreik - ohne uns!
Dr. Franz Mayrhofer
Sprecher Grüne Ärztinnen und Ärzte
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