Gesundheitspolitk und Stadtgesundheit
Medizin passiert nicht im
luftleeren Raum, sondern eingebettet im sozialen und kulturellem Feld von Menschen,
Institutionen und Netzwerken.
Die Stadt Wien als urbanes Feld mit langer sozialer Tradition ist "unser" Rahmen
für Arbeit&Leben. Hier haben wir eine dichte Ansammlung von Einrichtungen
des Gesundheitswesens, die meistenKrankenhausbetten Österrreichs, fast
2000 niedergelassene KassenFachärztInnen&AllgemeinmedizinerInnen, über
6000 angestellte ÄrztInnen; Gesundheitspolitik in diesem Setting hat verschiedene
Perspektiven zu berücksichtigen.
Unsere zentralen Forderungen sind:
- Gegen "Krankensteuer", gegen Selbstbehalte
als Finanzierungsinstrumente im Gesundheitswesen
Lenkungseffekte von Selbstbehalten werden seit neuestem nicht einmal mehr
von Chr. Köck (entgegen jahrelanger gegenteiliger Behauptungen) angenommen;
zur Budgetsanierung sind sie abzulehnen;
Das österreichische Gesundheitssystem leidet nicht an Unterfinanzierung,
sondern an einer Fülle unnötiger Doppel- und Mehrfachleistung.
"..eine Analyse der volkswirtschaftlichen Daten..zeigt , dass das immer
wieder zitierte Kassendefizit vornehmlich ein Einnahmenproblem ist, resultierend
aus dem sinkenden Anteil der für die Beitragszahlungen wesentlichen
Löhne und Gehälter am Bruttoinlandsprodukt. Vordringliche Maßnahmen
zur Sanierung des Kassendefizits sind von daher eine verbesserte Beschäftigungs-
und Sozialpolitik sowie ein Hinwirken auf fairere Löhne und Gehälter."(Grünes
Gesundheitsprogramm 2002)
- Für eine patientenorientierte Medizin
Mehr Zeit für Zuwendung stärkt das Vertrauensverhältnis, erlaubt
ganzheitliche und psychosomatische Betrachtungsweisen, ermöglicht bessere
Diagnosen und reduziert Behandlungsschäden.
- Für eine Neuorganisierung des stationären
und ambulanten Angebots in Wien
seit Jahren werden immer wieder die gleichen Sprüche geklopft, wie das
bekannte "mehr ambulant statt stationär":
Faktum ist eine starke Krankenhauslastigkeit der medizinischen Versorgung
in Wien, unzureichende Angebote im ambulanten Sektor und unkoordinierte Aktionen
der Gemeinde. Eine betonierte Finanzpolitik, wo sich Stadt, Krankenkassen
und Bund sich die heisse Kartoffel weitergeben, wo jeder hofft, der Andere
möge den "Schwarzen (Finanz) Peter bekommen- auch genannt das politische
Mikadospiel :"wer sich als Erster bewegt, hat verloren"
- Mehr Sicherheit für Patienten durch moderne Fehlerkultur
Die heutige Medizin ist sehr effizient aber potentiell wesentlich gefährlicher
als in früherer Zeiten.
Aus den USA, Großbritannien und Australien liegen Untersuchungen vor,
die ein alarmierendes Ausmaß von Fehler bedingten Schäden an Patienten
zeigen.
Die Erfahrungen in diesen Ländern zeigen, dass die Medizin durch einen
modernen Umgang mit Fehlern sicherer werden kann.
Die Auseinandersetzung mit medizinischen Fehlern muss auch in Österreich
vorrangiges Anliegen der Ärzte werden.