Gesundheitspolitik und Stadtgesundheit

von | 18.04.2021 | medizinische VERSORGUNG

Gesundheitspolitik und Stadtgesundheit

Medizin passiert nicht im luftleeren Raum, sondern eingebettet im sozialen und kulturellem Feld von Menschen, Institutionen und Netzwerken.

Die Stadt Wien als urbanes Feld mit langer sozialer Tradition ist „unser“ Rahmen für Arbeit und Leben. Hier haben wir eine dichte Ansammlung von Einrichtungen des Gesundheitswesens, die meisten Krankenhausbetten Österrreichs, fast 2000 niedergelassene Kassen-Fachärzt*innen und Allgemeinmediziner*innen, über 6000 angestellte Ärzt*innen; Gesundheitspolitik in diesem Setting hat verschiedene Perspektiven zu berücksichtigen.

Unsere zentralen Forderungen

  • Gegen „Krankensteuer“, gegen Selbstbehalte als Finanzierungsinstrumente im Gesundheitswesen
  • Lenkungseffekte von Selbstbehalten werden seit neuestem nicht einmal mehr von Chr. Köck (entgegen jahrelanger gegenteiliger Behauptungen) angenommen; zur Budgetsanierung sind sie abzulehnen.
    Das österreichische Gesundheitssystem leidet nicht an Unterfinanzierung, sondern an einer Fülle unnötiger Doppel- und Mehrfachleistung.
    „… eine Analyse der volkswirtschaftlichen Daten zeigt, dass das immer wieder zitierte Kassendefizit vornehmlich ein Einnahmenproblem ist, resultierend aus dem sinkenden Anteil der für die Beitragszahlungen wesentlichen Löhne und Gehälter am Bruttoinlandsprodukt. Vordringliche Maßnahmen zur Sanierung des Kassendefizits sind von daher eine verbesserte Beschäftigungs- und Sozialpolitik sowie ein Hinwirken auf fairere Löhne und Gehälter.“ (Grünes Gesundheitsprogramm 2002)
  • Für eine patient*innenorientierte Medizin
    Mehr Zeit für Zuwendung stärkt das Vertrauensverhältnis, erlaubt ganzheitliche und psychosomatische Betrachtungsweisen, ermöglicht bessere Diagnosen und reduziert Behandlungsschäden.
  • Für eine Neuorganisierung des stationären und ambulanten Angebots in Wien
    Seit Jahren werden immer wieder die gleichen Sprüche geklopft, wie das bekannte „mehr ambulant statt stationär“:
    Faktum ist eine starke Krankenhauslastigkeit der medizinischen Versorgung in Wien, sind unzureichende Angebote im ambulanten Sektor und unkoordinierte Aktionen der Gemeinde. Eine betonierte Finanzpolitik, wo sich Stadt, Krankenkassen und Bund sich die heiße Kartoffel weitergeben, wo jeder hofft, der andere möge den „Schwarzen (Finanz-)Peter“ bekommen – auch genannt das politische Mikadospiel: „Wer sich als Erster bewegt, hat verloren.“
  • Mehr Sicherheit für Patient*innen durch moderne Fehlerkultur
    Die heutige Medizin ist sehr effizient, aber potentiell wesentlich gefährlicher als in früheren Zeiten. Aus den USA, Großbritannien und Australien liegen Untersuchungen vor, die ein alarmierendes Ausmaß von fehlerbedingten Schäden an Patient*innen zeigen.
    Die Erfahrungen in diesen Ländern zeigen, dass die Medizin durch einen modernen Umgang mit Fehlern sicherer werden kann.
    Die Auseinandersetzung mit medizinischen Fehlern muss auch in Österreich vorrangiges Anliegen der Ärzt*innen werden.

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